Dieter Möhrmann - Landtagsabgeordneter Startseite | Kontakt | RSS

  • Meine Meinung

    Schrift + -

    7. Mai 2010

    Im April habe ich an einer sehr bewegenden Gedenkfeier zur 65-jährigen Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen teilgenommen. Dort haben mir ehemalige KZ-Häftlinge, die überlebt haben, von ihrer großen Sorge erzählt, dass nach ihrem Tod – also der letzten Zeitzeugen des Grauens – all das Schreckliche in Vergessenheit geraten könnte.

    Dazu dürfen wir es nicht kommen lassen. Nehmen wir das Vermächtnis an und geben es von Generation zu Generation weiter. Der Schrecken und Horror des 3. Reiches verpflichten uns, zu erinnern und Lehren daraus zu ziehen. Und es verpflichtet uns auch, immer wieder aufkommenden Rechtsextremismus von Beginn an konsequent zu bekämpfen, Gesicht zu zeigen gegen Fremdenfeindlichkeit.

    „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren“, sagte der Philosoph Karl Popper. Wir dürfen nicht zulassen, dass Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus eine „normale Erscheinung“ in Niedersachsen werden. Das wirklich Gefährliche am Rechtsextremismus ist, dass er viele, nicht immer gleich erkennbare Gesichter hat. Rattenfänger vom rechten Rand versuchen mit einer Kombination aus verschiedenen inhumanen Einstellungen, wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Chauvinismus besonders junge Menschen für sich zu gewinnen.

    Das Abfischen an Bushaltestellen beispielsweise, wo junge Menschen häufig ihren Treffpunkt haben und „abhängen“, gerade in ländlichen Bereichen, gehört dazu. Ihnen wird eine Gemeinschaft geboten, vermeintliche Akzeptanz, Spaß – und viele merken erst zu spät, dass rechtes Gedankengut in ihre Gedankenwelt und in ihre Wertvorstellungen Einlass findet. Immer mehr Kommunen erkennen diese Gefahr und sind bemüht trotz leerer Kassen, ihren Jugendlichen einen Jugendtreffpunkt mit Aktivitäten und Betreuung zu bieten, um den rechten Rattenfängern die Rekrutierung junger Menschen zu erschweren.

    Gerade junge Menschen sind es auch, die bereits in ihren Schulen Gesicht zeigen gegen Rechts. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ steht da nicht nur auf einem Schild am Eingang, sondern wird tagtäglich gelebt. Ich bin stolz darauf, dass es auch in meiner Heimatstadt Schneverdingen solch couragierte Schülerinnen und Schüler gibt.

    Das Niedersachsenbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine Ausstellung erarbeitet mit dem Thema „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, die gerne von Kommunen, Schulen und Bürgerbündnissen angefordert wird. In der Haupt- und Realschule in Bad Fallingbostel ist sie schon zu sehen, in der KGS Schneverdingen wird die Ausstellung Ende Mai eröffnet. Auf 14 Tafeln werden die verschiedenen Aspekte und Erscheinungsformen von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus dargestellt und regen zur Diskussion an: Wie geht man damit um? Wie kann man sich dagegen wehren?

    Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur „Die Zeit“, gibt zu bedenken: „Eine Gesellschaft, die Angst vor der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus hat, ist sich ihrer demokratischen Werte nicht bewusst.“ Eine wehrhafte Demokratie lebt nämlich davon, dass wir sie nicht nur zu hohen Feiertage deklamieren, sondern sie muss täglich neu gelebt werden, in der Schule, im Freundeskreis, im gesamten sozialen Umfeld. Das ist nicht immer einfach, doch unsere Demokratie ist es wert, dass wir für sie kämpfen.

    Ihr

    Unterschrift Dieter Möhrmann


    Termine

    Nachrichten